Von Thomas Köhler, 22. März 2013, 11:31 Uhr

Peter Rudel, wie er allgemein genannt wurde, ist einer der langjährigen Weggefährten von Josef A. Köhler.

Er wurde am 13.06.1922, in Prag geboren und hatte jedenfalls das Abitur abgelegt, obwohl er sich selbst als Diplom-Dolmetscher bezeichnete und auch behauptete einen Doktortitel zu haben. Über seine Vorgeschichte ist mir nichts bekannt. Peter Rudel war verheiratet und hatte einen Sohn. Sowohl seine Frau, als auch sein Sohn sind mir nicht bekannt und starben bereits vor ihm.

Als er auftauchte (ca. 1954) arbeitete er als Dolmetscher für Tschechisch. „IM Landau“ * äußert sich dazu, allerdings bezog er diese Informationen von Josef A. Köhler, wie folgt:

Rudel ist nach dem 2. Weltkrieg aus der CSSR nach WD übergesiedelt. […] Rudel siedelte daraufhin etwa 1956 in die DDR über. Später reiste er mehrfach nach WD und nachdem, was Köhler sagte, mit politischen Aufträgen der Nationalen Front …

Die hier ausgelassene Textstelle ist in den mir von der BStU übergebenen Kopien geschwärzt, allerdings lässt sich nach einigen Indizien vermuten, dass Peter Rudel in Westdeutschland vorbestraft war.

 Beim letzten Aufenthalt, deren Anzahl nicht bekannt ist, erfolgte unter dem Vorwand, er habe sich mit der Bewährung ausgesetzten Strafen entzogen, Rudels Festnahme in WD.

Die hier genannte Festnahme erfolgte 1957.

Er  war, wie auch Josef Köhler, ehrenamtlich bei der Nationalen Front, Kommission Rückkehrer und Zuwanderer (RuZ) tätig.

Über seine berufliche Tätigkeit habe ich teilweise schon im Artikel über das Übersetzerkollektiv Leipzig geschrieben. Die dort abgebildete Postkarte ist auch der erste materielle Hinweis auf dessen Existenz. Anzumerken ist noch, dass Peter Rudel über viele Jahre als offizieller Sprecher von „Radio Friedensfahrt“ arbeitete. Die behauptete Beherrschung von 7 Fremdsprachen wurde von Seiten seine Berufskollegen des Öfteren belächelt und bezweifelt. In der Vereinigung der Sprachmittler der DDR (VDS), Bezirksverband Leipzig, war Peter Rudel langjähriger Leiter der Sprachgruppe Tschechisch.

Anfang oder Mitte der 70er nahm er den Doppelnamen Rudel-Drtilek an. Er behauptete diesen bereits in seiner Jugend geführt zu haben, der Name Drtilek sei der Name der Familie mütterlicherseits. Ende der 70er tauchte er als Dr. Leo-Peter Rudel-Drtilek auf. Seine Promotion, die er während des Krieges an der Karlsuniversität in Prag abgelegt hätte, sei nun offiziell bestätigt.

Das Verhältnis zu Josef A. Köhler war über die ganzen Jahre zwiespältig. Es reichte von öffentlichen Freundschaftsbekundungen bis zum Ausdruck tiefsten gegenseitigen Misstrauens.

Nach der Wende arbeitete Leo-Peter Rudel-Drtilek weiter als freiberuflicher Dolmetscher und Übersetzer. Der Doktortitel wurde ihm aus mir unbekannten Gründen wieder aberkannt.

Leo-Peter Rudel verstarb 05.07.2009 in Leipzig.

 

 

*Der Klarname von „IM Landau“ ist mir bekannt, wird aber wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte nicht veröffentlicht.

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