Fleyh – Heimat meines Vaters 2

Die Familie meines Vaters

Mein Vater wurde als Sohn von Anton und Philomena Köhler geboren. Anton (geb. 23.Januar 1885) war der Sohn von Josef Köhler und Emilia geb. Zeidler, deren Vater Josef Zeidler hieß. Philomena (geb. 8.Juli 1888) war die Tochter des Josef Seifert (geb. 6.März.1857) und der Veronika geb. Preißler (geb. 5.Februar.53), diese war die Tochter des Ferdinand Preißler. Die Familie Seifert führte den Beinamen „Vogelsteller“. Der Geschichte zufolge, die mir, als ich noch ein Kind war, meine Großmutter Philomena erzählte, war in grauer Vorzeit ein Vogelsteller aus dem Italienischen übers Gebirge gekommen und hatte sich in Fleyh niedergelassen. Nachdem er in die Familie eingeheiratet hatte, führten die Seiferts diesen Beinamen.
Anton und Philomena heirateten am 9. November 1913 in Fleyh. Um die Eheschließung meiner Großeltern gibt es eine Geschichte, die, so erzählte es mein Vater, dazu führte, dass Anton sich von seiner Familie los sagte. Leider ist mir diese Geschichte nicht näher bekannt.

Anton hatte in der Tischlerei Rudolf Reichenberger am 5.10.1899 seine Lehre als Tischlergehilfe beendet und bekam seinen Gesellenbrief als Tischler am 30. August 1920. Ein Meisterbrief liegt mir nicht vor, aber in amtlichen Dokumenten wird Anton als Tischlermeister bezeichnet. Philomena lernte schneidern, ob sie einen Lehrabschluß hatte ist mir nicht bekannt.

Am 1. Dezember 1913 kaufte das frisch vermählte Paar das Haus Nr. 85 in Fleyh, in dem sie auch bis zur Aussiedelung wohnten. 1922 kauften meine Großeltern einige Parzellen Wiesen, Ackerland und Wald. Ein Jahr später kam noch das Wohnhaus 40 in Fleyh mit Ackerland und Wiese dazu.

Aus den Erzählungen meiner Großeltern und meines Vaters läßt sich schließen, daß die beiden nicht wohlhabend waren, von der Tischlerei und Schneiderei ließ es sich allein nicht leben. Sie betrieben also zusätzlich Landwirtschaft, es soll ein paar Kühe, Schweine und Hühner und natürlich Kaninchen gegeben haben. Das weiß ich genau, da mein Vater es ablehnte Kaninchen zu essen, mit der Begründung, er habe als Kind mit diesen gespielt und schon damals Kaninchenbraten verweigert, was ihm stets Ärger mit seinem Vater einbrachte.
Anton besaß auch ein eigenes Pferdefuhrwerk, mit dem er die angefertigten Möbel ausfuhr. Es wurde aber auch für die Landwirtschaft genutzt.

Meine Großmutter erzählte mir auch stets von der schweren Arbeit der Butterweiber, die sie als junge Frau ausgeübt hatte.
Dazu eine Beschreibung von Rudolf Schneider aus „Chronographie der Ortschaft Fleyh“.

Die über den Eigenbedarf hinausgehenden Mengen von Quark und Butter wurden von einigen Frauen im Ort eingesammelt. Am Mittwoch und Donnerstag trugen sie die Ware in die Stadt und verkauften sie dort. Die eine Gruppe ging am Mittwoch nach Oberleutensdorf, die andere Gruppe ging am Donnerstag nach Osseg und Dux. Früh um drei Uhr brachen sie auf, damit sie zeitig am Ziel waren, denn später wäre die Butter weich geworden. Im Sommer gingen sie noch früher. Es schlossen sich immer Gruppen von 10 bis 12 Frauen zusammen.
Die, welche nach Oberleutensdorf gingen, sammelten sich auf dem Rückweg in Schönbach beim Braune. Dort wurde etwas gegessen und getrunken und dann ging es wieder übern Berg nach Hause. Das war immer ein Weg von ca. 3 Stunden.

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